Ein kleiner Hase
- Eylem Yildiz

- 21. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
Es war einmal ein kleiner Hase. Als Kind spielten die Erwachsenen in meiner Nachbarschaft ein Spiel in meiner Handfläche; es basierte auf Rhythmus, Wiederholung und einer mündlichen Erzählung. Meine Finger zeichneten Kreise, ein Finger symbolisierte den Hasen; beim Satz „Es war einmal ein kleiner Hase“ verschwand er plötzlich. Wohin? Ein Geheimnis … eine Suche.
Das Spiel ging vom Daumen bis zum kleinen Finger: „Der eine hat den Hasen gefangen, der andere hat geschnitten, der nächste hat gekocht, der eine hat gegessen, und der letzte sagte: ‚Und was ist mit mir?‘“ Ich lachte und beobachtete die Finger. Ich war ein Kind; ich verstand die Zusammenhänge nicht, ich mochte einfach den Hasen.
Ich wuchs auf und wurde Designer. Die Finger und der Hase wurden zu Elementen mit Bedeutung. Heute beginne ich, die Botschaft zu suchen: Erzählt dieses Spiel ein Problem des Hasen? Lehrt es Jagen? Oder lehrt es, etwas zu fordern?
Im Design beobachte ich das Zusammenspiel von Elementen und Leerstellen. Ich suche nach Bildern, die Beziehungen zeigen, Erinnerungen aktivieren, Aufmerksamkeit lenken und Funktion vermitteln.
Wo das Bild ist, das frühere Erfahrungen und ihre Spuren aktiviert, den Betrachter leitet, Aufmerksamkeit erzeugt und die funktionale Seite des Designs vermittelt?
Jedes Element, jede Leerstelle, jedes Zusammenspiel ist wie eine Spur des kleinen Hasen. Das Spiel ist verschwunden – geblieben ist die Suche nach der richtigen Frage: Arbeitet Design mit den Spuren hinter den Elementen?




Kommentare